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Freitag, 17. Februar 2017

Nachruf auf Al Imfeld von Peter Ripken

Es gibt wohl nur wenige Menschen, die ihren Geburtstag über mehrere Tage hinweg feiern. Al Imfeld tat just dieses jeweils im Januar um seinen Geburtstag am 14. Januar herum. Er lud viele Menschen in seine kleine mit Büchern volle Wohnung nahe dem Hauptbahnhof von Zürich ein, nicht etwa weil er sich für so bedeutend hielt: Es ging ihm dabei immer um das Stiften von Verbindungen, genauso wie er in seinem Leben und Werk vieles miteinander verbinden konnte. So kam er vom Studium der katholischen Theologie und der Priesterweihe – für den ältesten Sohn einer Schweizer bäurischen Großfamilie fast ein vorgezeichneter Lebensweg – bald zur vergleichenden Religionswissenschaft, dann auch zur Soziologie, zum Journalismus und schließlich zur Tropenlandwirtschaft. Nicht nur vier Studiengänge hat er absolviert, sondern auch vier Kontinente kennengelernt. In den USA hat er studiert und gearbeitet, in Vietnam war er in den 60er Jahren Kriegsberichterstatter. Dann schickte ihn die Missionsgesellschaft Immensee, der er Jahrzehnte verbunden war, nach Rhodesien, das erst 1980 als Zimbabwe unabhängig wurde. Bei der Aufgabe des Aufbaus eines Pressewesens eckte er freilich an, wurde des Landes verwiesen. Doch seither ließ ihn Afrika nicht mehr los, wurde fast zu einer zweiten Heimat, obwohl er nie seine enge Bindung an seine Herkunft aus der Inner-Schweiz verlieren mochte.
Es war die Vielfalt seiner Erfahrungen und seine Bodenständigkeit, die ihn seit den 70er Jahren zum wichtigen Vermittler und Netzwerker zwischen den Kulturen und Anreger für allerlei Initiativen und Projekte machte. Mit langem Atem und einem riesigen Maß an Umsicht widmete er sich „seinen“ Themen: der Literatur (besonders Afrikas), dem Verständnis von Religionen, der Agrikultur (mit der Betonung auf Kultur).
Bereits mit seinen ersten Büchern zur afrikanischen Literatur, erschienen mit Orientierung auf die Frankfurter Buchmesse 1980, die Schwarzafrika in den Vordergrund stellte („Verlernen, was mich stumm macht. Lesebuch zur afrikanischen Literatur“, Unionsverlag 1980; „Vision und Waffe. Afrikanische Autoren, Themen, Traditionen“, Unionsverlag 1981), setzte er Maßstäbe für viele einschlägige Publikationen anderer Autorinnen und Autoren danach. Al Imfeld aber schrieb, schrieb und schrieb: Bücher über Themen wie Zucker, Geld, Entwicklungspolitik, die Rolle der Religionen – und immer wieder eigene Gedichte oder auch Geschichten („aus dem Hinterland“ oder „aus vier Kontinenten“). Mehr als 50 Titel kamen so zusammen, ein Lebenswerk sondergleichen.
Am deutlichsten wurde sein langer Atem bei seiner langjährigen Auseinandersetzung mit Gedichten und dem Projekt einer umfassenden Anthologie afrikanischer Poesie, an dem er mit Umsicht mehr als zwei Jahrzehnte Vorbereitungszeit investiert hatte. 2015 zu seinem 80. Geburtstag erschien dann, als Opus Magnum und zugleich Vermächtnis, der 800 Seiten umfassende Band „Afrika im Gedicht“. Dabei kommunizierte Al Imfeld lange mit vielen verschiedenen Kennern und Poeten, wobei er immerhin die frühe Kritik aufnahm, dass er ursprünglich zu wenige Frauen-Poetinnen und zu wenige junge Poeten berücksichtigt hatte. So wie er lernfähig war, war er auch lehrfähig: Immer machte er Ausflüge an Hochschulen, Bildungsstätten aller Art, um in Workshops zu den Themen, die ihm wichtig waren, gerade jüngeren Menschen von der Vielfalt zu erzählen, die die menschliche Existenz in der Innerschweiz und in Afrika ausmacht.
Ein großer Vermittler zwischen Afrika und Europa hat uns jetzt verlassen; sein Vermächtnis ist allemal eine wichtige Aufgabe für diejenigen, die ihm folgen mochten und konnten.

Peter Ripken

PS: Kennengelernt habe ich Al Imfeld Mitte der 70er Jahre durch eine Korrespondenz über südafrikanische Literatur, an deren Herausgabe ich damals arbeitete.
Sein vielleicht wichtigstes Vermächtnis für mich ist indes, dass ich durch ihn meine Frau Gabriele 1980 auf der Frankfurter Buchmesse kennen- und lieben lernen konnte. Al hatte mich Gabriele Prein, damals Redakteurin des Börsenblatts für den deutschen Buchhandel, für das Schwerpunktthema „Schwarzafrika“ als Autor über südafrikanische Literatur vorgeschlagen –
ein Beitrag, den ich auch prompt lieferte. Erst auf der Buchmesse selbst, auf dem vorgeschalteten dramatischen Symposium im Frankfurter Römer, lernte ich dann Gabriele Prein kennen. Seither sind wir zusammen und denken oft an Al Imfeld, der unsere Verbindung stiftete.

Litprom trauert um Al Imfeld

Der vielfältig interessierte und studierte Weltreisende und Mitbegründer von Litprom starb am 14.02.2017 im Alter von 82 Jahren in Zürich.
Der gebürtige Schweizer war auf vier Kontinenten zuhause, mit Afrika war er ein Leben lang auf besondere Weise verbunden. Als Priester kam er 1967 in das heutige Simbabwe, wo seine Einstellungen nach zwei Jahren zu seiner Ausweisung durch die Kolonialregierung führten.
Für die einen ein unbequemer Querdenker, für die anderen innovativer Pionier, war Al Imfeld in vielfältigen Projekten aktiv. Der studierte Theologe, Journalist, Soziologe und Agronom betätigte sich in der Entwicklungszusammenarbeit und war produktiver (Mit-)Herausgeber von Zeitschriften und Bänden, oft mit Fokus auf afrikanische Themen. Auch für die LiteraturNachrichten steuerte er Beiträge bei.
Eines seiner Großprojekte war die Anthologie Afrika im Gedicht (Offizin 2015). “Afrika im Gedicht ist ein Wahnsinnswerk und veranschaulicht Lyrik aus Afrika auf unübersehbare Weise“ lobte Manfred Loimeier die 800-seitige Sammlung in den LiteraturNachrichten Nr. 123 (2015/4) .

Lesen Sie den Nachruf von Angela Schader in der NZZ vom 16.02.17 sowie Elisa Fuchs Würdigung zu Imfelds 80. Geburtstag in den LiteraturNachrichten Nr.122 (2015/1).
Für mehr Informationen zur Person und seinem umfangreichen Schaffen lohnt ein Blick auf den Internetauftritt von Al Imfeld.