Cagliostro. Film-Roman
Vicente Huidobro / Chile
Prosa, 192 Seiten, 2026
Vicente Huidobros Roman »Cagliostro« ist ein einzigartiger Text. Ursprünglich entstand er 1923 als Drehbuch, das Huidobro zehn Jahre später in einen Roman umschrieb. In ihm vereint Huidobro verschiedene literarische Gattungen, streift durch die Geschichte, berührt philosophische Fragen und unternimmt gleichzeitig
formale wie sprachliche Experimente. Trotz eines ästhetisch aufgeladenen Unterbaus ist »Cagliostro« ein leicht zu lesender, äußerst unterhaltsamer Roman, der nicht nur mit sprachlicher Virtuosität, sondern auch mit Humor und Spannung
auftrumpfen kann.
Huidobro verdichtet das sagenumwobene Leben seines titelgebenden Protagonisten Cagliostro zu einer Geschichte über die Hybris des Menschen, seiner Korrumpierbarkeit und den im 18. Jahrhundert sehr populären Okkultismus. Bereits 1916 betitelte Huidobro ein Werk mit „okkult“, erklärte aber umgehend,
dass er damit das tiefe Geheimnis der Sprache meine und er die Tür zum Mysterium der Sprache stets geöffnet vorfand. Dieses von ihm als junger Poet gespürte Talent sollte in eine Reife übergehen, die die Avantgarde, wie sie in Europa auf-
brach, facettenreich mitprägte.
Die Sprache des prosaischen Texts ist geprägt vom Creacionismo, einem lyrischen Stil, den Huidobro in mehreren Manifesten begründet hat. Anspruch dieses Stils ist es, Welt durch Sprache zu erschaffen. Dafür verfährt Huidobro jenseits aller Konventionen und Logiken und entwirft sprachliche Bilder, die sich nicht aus der
Wirklichkeit ableiten lassen: „Der Mond tickt wie eine Uhr“ (1918).